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Phänomen China: Warum der Preis nicht mehr die Wahrheit sagt

Techpilot RedaktionAutor: Techpilot Redaktion
09. Februar 2026 2 min. Lesezeit
Phänomen China: Warum der Preis nicht mehr die Wahrheit sagt

China als Werkbank der Welt – ein Modell im Wandel

Über Jahrzehnte galt China als Werkbank der Welt. Niedrige Löhne, hohe Produktionskapazitäten und ein nahezu unbegrenztes Angebot an Fertigungsbetrieben machten das Land für Unternehmen weltweit unverzichtbar. Doch die Spielregeln haben sich geändert. Die Techpilot-Studie „Total Landed Cost und Total Cost of Ownership im Einkauf von CNC-gefertigten Zeichnungsteilen“ zeigt, dass die reine Preislogik im Einkauf dynamisch an Aussagekraft verliert.
Seit den 1990er Jahren profitiert China von einem massiven Lohnkostenvorteil. Dieser beruhte auf niedrigen Einkommen, einer schwachen Währung und geringen Sozialstandards. Doch die Dynamik hat sich grundlegend verändert. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Löhne in China mehr als vervierfacht. Das liegt an einem anhaltenden Wirtschaftswachstum, steigenden Qualifikationsanforderungen und einer wachsenden Mittelschicht. Hinzu kommen längere Lieferketten, steigende Energiekosten und geopolitische Spannungen, die Planung und Kalkulation zusätzlich erschweren.

Mehr Attraktivität durch Nähe und Stabilität

Die Techpilot-Analyse zeigt, dass der vermeintliche Kostenvorteil chinesischer Fertigung zunehmend an Kraft verliert. Während die Lohnkosten mit rund 7,4 Euro pro Stunde noch unter europäischen Werten liegen, schließen sich die Unterschiede stetig. Gleichzeitig gewinnen osteuropäische Standorte wie Polen oder Rumänien an Attraktivität. Sie bieten mit 10,4 beziehungsweise 7,3 Euro pro Stunde schon heute vergleichbare Kostenstrukturen, verbunden mit kürzeren Lieferketten, kultureller Nähe sowie rechtlicher und regulatorischer Stabilität innerhalb Europas.
Auch Indien tritt als kostengünstiger Standort auf, mit durchschnittlich 3,4 Euro pro Stunde. Doch hier stellt sich die Frage, ob Qualität, Lieferperformance und technologische Kompetenz den steigenden Anforderungen langfristig standhalten können. Preisunterschiede allein reichen nicht mehr aus, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Total Cost of Ownership: Warum der Preisvorteil oft trügt

Die Studie macht deutlich, dass die vermeintlich günstigen Standorte ihre Vorteile einbüßen, sobald Qualität, Nacharbeit und Lieferperformance in die Rechnung einbezogen werden. Lange Transportzeiten von bis zu 45 Tagen, höhere Kapitalbindung und zusätzliche Logistikkosten relativieren den Preisvorteil deutlich. Europa kann hier durch Nähe, Automatisierung und stabile Prozesse punkten, Faktoren, die zunehmend entscheidend für Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit werden.
Das Phänomen China steht sinnbildlich für den Wandel globaler Beschaffung. Der Preis bleibt wichtig, sagt aber immer weniger über die tatsächliche Wirtschaftlichkeit aus. Wer künftig wettbewerbsfähig bleiben will, muss weiterblicken: auf Qualität, Prozessreife und Resilienz. Denn der günstigste Preis ist selten der wirtschaftlichste.